1.Tag, Freitag, der 20. Mai

Der neue Flughafen von Barcelona ist recht groß. Übergabe des Autos kein Problem. Nur auf die Frage nach Mautgebühr und einem eventuell dafür zur Erfassung eingebautem Gerät musste der junge Mann passen, der uns bediente. Er konnte  in der Tat mit Begriffen  wie Highway oder Autostrada nichtsanfangen.

Unser erstes Ziel ist der Ort Montserrat. Montserrat - der „zersägte Berg“ - bildet eine großartige Kulisse für den heiligsten Ort Kataloniens.  Die Anlage besteht aus einem ausgedehnten Komplex von Gebäuden, dessen Mittelpunkt das noch immer von Mönchen bewohnte Kloster auf der Placa Santa Maria ist und dass das bedeutendste Wallfahrtsziel der Katalanen darstellt. Eine kleine Holzstatue aus dem 12. Jhd. gilt als „Seele“ Montserrats und als Schutzpatronin des Landes. Das Pilgern wird erleichtert durch eine neue Zahnradbahn und eine Seilbahn, zudem kann man auch mit dem Auto recht weit nach oben fahren.

In dem zum Hotel gehörenden Restaurant  bekommen wir ein für den Ort typisches Abendessen serviert und Günter ist bereit zum Risiko und lässt sich auf eine ihm noch unbekannte Crema catalana ein. Auch das lokale Bier schmeckt.  Die meisten der jungen Männer, die wir hier sahen, trugen Pferdeschwanz wie der Führer der Podemosbewegung.

Heute waren wir nur 75 km unterwegs.

2.Tag, Samstag, der 21. Mai

Das Auto wird ein- und umgeräumt, das neue Navi installiert, es dauert alles ein bisschen, was in dem Fall ganz günstig war, denn das Zimmermädchen bringt Günters Tablet, das er vergessen hatte. Da das Gerät nicht mehr zu funktionieren scheint, gehen wir davon aus, dass es auf den Boden gefallen ist - erst in München stellt sich heraus, dass das Ladegerät zu schwach war fürs Gerät.  Unser Fernziel heute ist das Kloster von Poblet. Vorher besichtigen wir Santes Creus, ein Kloster, das vor Poblet als Grabstätte der Könige Kataloniens und Aragons diente. Glanzlichter des Klosters sind der gotische Kreuzgang mit fantasievollen Kapitellen und der riesige Schlafsaal. Auf dem Klostergelände sehen wir eine Gruppe von Blinden, die mit ihren Betreuungspersonen unterwegs sind. Im Ort ist ein kleines Cafe - dort gönnen sich auch Radfahrer, die wir immer mal wieder sehen oder treffen, eine Pause. Die Landschaft ist eigentlich wunderschön, Weingärten, Olivenbäume und dann doch immer wieder ein Vielzahl von Windgeneratoren. 

Monastir de Poblet  „Siegessymbol , Grabstätte der Könige, mauerbewehrte Festung, eines der bedeutendsten Klöster Spaniens.“ Über 1,5 km misst der äußere Mauerring, der den Komplex umgibt. Dahinter erstreckt sich ein ganze Klosterstadt mit Toren, Mauern, Plätzen und Gebäuden. Wir müssen erst suchen bis wir  neben der 85 m langen Klosterkirche das festungsartige „Königstor“ entdecken, dass den Zugang in den innersten Bereich darstellte. Wir fahren weiter  durch leicht hügeliges Gelände in Richtung Lleida. Die beherrschende Sehenswürdigkeit der Stadt ist die alte Kathedrale La Seu Vella, die sich innerhalb der Verteidigungswälle des ehemaligen Kastells La Suda erhebt. Ungewöhnlich der 60 m hohe Glockenturm der Kathedrale.

Lleida hat eine sehr  hübsche Altstadt, was auffällt ist der „orientalische“ Teil der Bevölkerung - die einen scheinen integriert zu sein, die anderen eher nicht.

Wir fahren durch eine recht einsame Gegend, zu beiden Seiten der nahezu leeren Straße   Sandsteinfelsen. Unser Ziel heute ist Alcaniz. Im Ort suchen wir im Zentrum nach einem Hotel. Ein Zimmer wäre wohl noch frei, nur keine Möglichkeit,  das Auto irgendwo zu parken. Wissend, dass das wuchtige Kastell Castillo de los Calatravos jetzt als Parador eingerichtet  wurde, fahren wir hoch und übernachten dort. Es ist natürlich ein teueres Haus.

Wir sind heute 318 km gefahren.

3.Tag, Sonntag, der 22.Mai

Der Himmel ist bedeckt, eine angenehme Kühle überrascht und erfreut uns, wir fahren weiter – erst einmal in Richtung Daroca, durch eine hügelige Landschaft, vorbei an Olivenbäumen, Ginster, Mohn, vorbei an Montalban und  zum Teil verlassenen Dörfern. Daroca, eine Kleinstadt,  spielte im Mittelalter eine bedeutendere Rolle als heute. Davon zeugen noch die große Stadtmauer und die etwas besser erhaltenen Türme und Tore. Wir erleben vor Ort einen überschaubaren Umzug mit großen Pappfiguren, die vermutlich zur Geschichte der Stadt gehören. Die Schar der Zuschauer ist klein, es wird mächtig mit Feuerwerkskörpern geknallt.

Rasch geht es weiter in Richtung Zaragoza. Kurz vor der Stadt, der fünftgrößten von Spanien nimmt der sonst sehr ruhige Verkehr zu. Wir finden ein Hotel mit Parkgarage. Der Tag ist gerettet, viel Zeit gespart, die wir sonst brauchen auf der Suche nach einem Hotel und einem Plätzchen für unser Auto, in dem Fall, den „Leon“.

Zaragoza ist Bischofs-, Universitäts- und Messestadt, Industrie- und Handelszentrum. Uns interessiert natürlich mehr oder weniger nur die Altstadt mit   Kathedrale und der Basilika. Beeindruckend die Basilica de Nuestra Senora del Pilar auf der Plaza del Pilar, errichtet an der Stelle einer Marienerscheinung.

Besonders eingeprägt hat  sich in einer der vielen Kapellen der Basilica die Tatsache, dass die Marienfigur ein Kommunionskleid trug - heute war Kommunion für die Zehnjährigen und die Mädchen durften sich neben dieser Marienfigur auch fotografieren lassen. Ein Junge im roten Gewand der Chorknaben managte das Ganze. Die Kinder  waren trotz des ungemütlichen Windes in ihren dünnen Kleidern unterwegs. Wir waren am Morgen des nächsten Tages auch noch einmal in der Basilica, da trug die Marienfigur dann wieder ihr eigentliches  Gewand.

Einer der Türme der Basilica kann mit dem Lift „bestiegen“ werden - wir nutzten diese Möglichkeit - der Ausblick wurde aber wie so oft durch Bauarbeiten eingeschränkt. La Seo ist die eigentliche Kathedrale der Stadt. Meisterstück des Innenraumes ist der aus Alabaster gefertigte gotische Hochaltar. Zur Kathedrale gehört auch ein Museum, das hochklassige flämische Wandteppiche zeigt.

Die Eintrittspreise für Rentner sind ausgesprochen niedrig, mitunter mußen wir gar nichts bezahlen. Wir sind in der Stadt unterwegs - sehen am Rathaus ein Band mit dem durchaus bekannten „Refugees welcome“ -  die Stadt hat wie auch Barcelona ein linkes Oberhaupt. Hier sehen wir auch eine Gruppe junger Trommler in roten T-Shirts mit einem jungen Dirigenten, der die Frisur der Podemos-Leute trägt. Später sagte man uns, dass recht oft einfach nur getrommelt wird, einfach so. Das, was sie in den Pausen riefen, konnten wir nicht zuordnen. Es ist kalt - ich esse eine Pizza, Günter Oliven - und trinken einen Rotwein. Die Gastronomie hat hier mehr zu bieten als wir es auf unserem „Trip“ entlang des Jacobsweges erfahren hatten. Aber da liegen ja nun auch schon einige Jahre dazwischen. Wir waren heute 263 km unterwegs.

4.Tag, Montag, der 23. Mai

Heute in der Früh gehen wir erst einmal in die Markthalle, in den „Mercado Central“ – schauen uns das Angebot an frischem Obst und Gemüse, an vielen Käse- und Schinkensorten, an frischen Meeresfrüchten an - und Günter kauft ein Körbchen mit gemischtem Obst, zurechtgemacht in der Tat nur für Touristen.

Danach gehen wir noch einmal in die Basilica - hier findet am Morgen in einer der Kapellen ein Messe statt – mit einer Vielzahl an Personal - die Chorknaben singen zusammen mit jungen Männern, es sind eine Vielzahl weiß gekleideter Geistlicher vor Ort, die am Schluß dann die Kirche in Reihe verlassen. Wir genießen die Akustik im Raum.

Anschließend geht es in eine permanente Ausstellung mit Arbeiten von. Dort sehen wir dann auch den Patio de la Infanta, einen kompletten Innenhof der Renaissance, der einst zerlegt nach Frankreich verkauft wurde, dort wieder entdeckt und zurück gekauft und Stein für Stein in Zaragoza zusammengebaut wurde. Wir schauen uns noch die Kirche von San Felip an und eilen dann zurück zum Hotel, um zu melden, dass wir nunmehr das Auto aus der Garage holen würden. Das war eine gute Idee, denn ich hatte mein Ladegerät vergessen, was mir dann schön verpackt an der Rezeption überreicht werden konnte.

Weiter geht es in Richtung  Aragonische Pyrenäen - sie liegen vor uns: schneebedeckt. Als erstes fahren wir durch Almudevar, das an der Straße nach Huesca liegt - sehen eine Kirche, die auf die Reste einer Moschee gebaut wurde. Wir nutzen die Landstraße, um die Landschaft genießen zu. Allmählich können wir auch die Töne deuten, die unser Navi, mitunter von sich gibt. Es warnt vor fest installierten Radargeräten. Bei den in Spanien üblichen hohen Strafen ist das schon mal gut. In Huesca machen wir halt. Die Stadt gilt als Sprungbrett zur Pyrenäenregion. Die Kathedrale im Zentrum glänzt mit einem schönen Portal, einem kunstvollen Hochaltar aus Alabaster und einem Chorgestühl aus der Renaissance. Auch das angeschlossene Museum können wir uns noch in Ruhe anschauen - nach uns kommt dann eine größere Gruppe von Touristen.

Wir fahren nach Agüero, einem kleinen Ort, der unterhalb riesiger Konglomeratberge (Mallos)  am Südrand der Pyrenäen in einem Seitental des Gallego liegt. Die Lage des Ortes ist fotogen, im Ort selbst ist nichts los - die Saison hat noch nicht begonnen. Beeindruckend ist der pompöse Friedhof. Wir fahren zurück in Richtung Ayerbe und genießen zumindest die Schönheit der Landschaft noch ohne potentielle Wanderer und  Radler. In Ayerbe machten wir Rast, essen einen Salat und  trinken unseren Milchkaffee. Billig ist das allerdings nicht, andererseits werden Rentner bei den Eintrittsgebühren immer sehr zuvorkommend behandelt. Weiter geht es in Richtung Bielsa, das als Tor zum Valle de Pineta, dem östlichen Teil des Ordesa Nationparks gilt. Von Bielsa aus fahren wir noch 15 km entlang dem Rio Cinca durch das Pinetatal,  durch 2 große neue Tunnel, (1449 m und 609 m lang)  direkt auf den  Monte Perdido zu, um heute im Parador de Bielsa,  zu übernachten.  Der Parador liegt in einem  Talkessel mit  hohen schneebedeckten Dreitausendern. Das staatlich geführte Hotel  scheint eine umgebaute Kaserne zu sein, in der einst Grenzwächter ihren Dienst verrichteten. Es ist ruhig hier, sie haben eine gute Küche anzubieten.

Wir waren heute 330 km unterwegs.

5. Tag, Dienstag, der 24. Mai

Es ist bewölkt und somit auch nicht zu warm. Wir verlassen das Hotel, fahren zurück - wieder durch das schöne Tal. Wir fanden unterwegs einen Hinweis auf den Camino - wobei es sich hier schon schöner wandern lässt als im Hochland.

Auf der Fahrt durch die Aragonischen Alpen bieten sich spektakuläre Ausblicke, aus Naturstein errichtete Dörfer, eine artenreiche Zier- und Pflanzenwelt. Uns haben es vor allem die blauen Lilien angetan, die wir unterwegs sahen.  Wir fahren jetzt auf einer Höhe von etwa 1.300 m - der Puerto de Bonansa liegt auf 1.380 m.

Das kleine Örtchen Pervers - es liegt auf einem Hügel - wirkt von oben betrachtet mit seinen alten Häusern recht attraktiv - wir fahren durch den Ort auf der ergebnislosen Suche nach einem kleinen Restaurant. In La Pobla de Segur dann machen wir Halt, um etwas zu essen und zu trinken. Der Ort liegt am Zusammenfluss zweier Flüsse und hat somit eine lange Tradition als Hochburg der Flößer. Jetzt ist Rafting im Angebot.

Wir verlassen jetzt das Bergland, es geht wieder in südliche Richtung. Fahren durch Solsona, einen  Ort, der einst Bischofssitz war und wollen heute in Cardona, 18 km von Solsona entfernt, übernachten. Ein letztes Mal in einem Parador, das Hotel im Ortszentrum konnte keinen Parkplatz ausweisen. Dieser Parador war einst eine mittelalterliche Burg und ist somit das Wahrzeichen des Städtchens. Ein Glanzlicht innerhalb der Mauern der Anlage ist die italienische inspirierte Stiftskirche. 1 km vom Ort entfernt liegt ein „Hügel“ aus Steinsalz. Über Jahrtausende hinweg wurde hier von Menschen Salz abgetragen und später abgebaut. 1990 schlossen die Minen und sind jetzt mit Führung zu besichtigen.

Heute verzichten wir auf ein großartiges Abendessen im Saal und nehmen mit einem Imbiss in der Cafeterina mit Wein und Bier vorlieb.

303 km waren wir heute unterwegs.

 

6. Tag, Mittwoch, der 25. Mai

Es geht zurück nach Solsona -  wir genießen die zauberhafte Landschaft, Getreidefelder, roter Mohn, Brachflächen, weißer Ginster…Passieren Montmajor, eine hübsche kleine Stadt, passieren einen Stausee, fahren durch Avia. Die Bewohner von Avia lebten einst von der Textilindustrie. Nachdem aber bis 1960 größere und kleinere  Manufakturen ihre Produktion nach und nach einstellen mussten, gilt jetzt der Tourismus als Einnahmequelle. Weiter geht es nach Boreda - Ausgangspunkt für Aktivitäten in einem großen Wandergebiet.

Wir  sind jetzt in Ripoll. Die Stadt „glänzt mit einem der bedeutendsten romanischen Kunstwerken Kataloniens, dem großartigen Westportal des Benediktienerklosters  Santa Maria“. Zur Zeit seiner Entstehung gelang die endgültige Vertreibung der Mauren aus den südlichen Regionen Kataloniens (12. Jhd), deshalb wird das Portal auch als „Triumphbogen“ bezeichnet. Wir teilen uns die Besichtigung mit einer großen Gruppe von Schulkindern.

Nach 137 km Gesamtfahrtzeit ist unser heutiges Ziel erreicht: Besalu, eine kleines mittelalterliches Städtchen, dessen Wahrzeichen die im 14. Jh. gebaute, 105 m lange und durch Türme gesicherte Brücke Pont Vell/Pont Fortifical ist. Wir finden ein Hotel, zentral gelegen, umgeben von alten Steinhäusern und Arkaden. Und genießen erste einmal Kaffee und Kuchen, wobei der Kuchen eine in der Mikrowelle aufgetaute Zitronenschnitte ist, denn normalerweise trinkt man hierzulande nur Kaffee ohne Kuchen. Wir wissen das Engagement des jungen Betreibers des Cafés zu schätzen. Eine großen Gruppe holländischer Senioren, verteilt auf 2 Cafes am Platz, ist nicht  zu überhören. Neben der Altstadt bei der befestigten Brücke ist auch das kleine Miniaturenmuseum ein echter Tipp, den wir von unserer Hotelwirtin bekamen. Das im Jahre 2007  eröffnete Museum (Museu de Miniature) zeigt ein breites Spektrum von kleinen Kunstwerken aus vielen Kulturen der Welt. Die Sammlung ist sehenswert und ob der „Größe“ der Exponate sehr beeindruckend. Die „Besichtigung“ der Kirchen vor Ort wurde auch im Internet folgendermaßen beschrieben: „Um das Innere der Kirchen durch eine Glasscheibe zu fotografieren,  muß man in dieser Stadt schon einmal einen Euro locker machen. Dann schaltet sich die Innenbeleuchtung für 3 Minuten an“ Wir hatten allerdings Glück und konnten am Abend eine der Kirchen auf die gewohnte Art besichtigen. Sie war wegen Vorbereitungsarbeiten zu einer Veranstaltung  geöffnet.

7.Tag Donnerstag, der 26.Mai

Wir werden  heute erst einmal   nach Figueres fahren, der Stadt „die Anziehungspunkt für alle Fans des Malers Dali sein dürfte. Sein Museum zählt zu den meistbesuchten Ausstellungen Spaniens“.

„Zwischen 1961 und  1974 wandelte Dali das Stadttheater von Figueres in sein Theatermuseum um. Mit diesem Museum, das im Ganzen  als großes surrealistisches Kunstwerk zu betrachten ist, schuf Dali sich selbst ein Denkmal und seiner Heimatstadt  eine Besucherattraktion ersten Ranges“.

Unser Fernziel heute ist Girona. Wir versuchen, entlang der Küste zu fahren, um hin und wieder einen Blick auf die Costa Brava erhaschen zu können.  Peralada - ein mittelalterliches Städtchen nur einige Kilometer vom Mittelmeer entfernt im Hinterland.

Nach 170 km  in Girona angekommen. Wie immer zuerst Suche nach einem Hotel, nach einem Parkplatz… Landen genau in dem Hotel, das Günter auch angepeilt hatte. Wahrzeichen der Stadt ist die Kathedrale Santa Maria. In Erinnerung bleiben dürften die roten, gelben, ockerfarbenen Häuser, die den Riu Onyar säumen. Sind am Abend unterwegs, sehen, hören wieder eine Gruppe rotgekleideter Trommler - später mal nach dem Ziel ähnlicher Aktionen gefragt, bekommen wir auch keine ausreichende Antwort. In Spanien wird oft getrommelt. Und Flüchtlinge waren es auch nicht, das wäre eine der möglichen Deutungen gewesen - als wir an  einem Infopunkt  mal eine junge Frau fragten.

8. Tag-Freitag, der 27. Mai

Eigentlich waren 2 Tage in Girona eingeplant, aber wir hätten uns eine andere Unterkunft suchen müssen, so entscheiden  wir  uns dann doch für eine Weiterfahrt. Genießen aber vorher noch ein sehr individuelles Frühstück mit einem reichhaltigen Obstteller. Wir schauen  uns noch einmal ganz in Ruhe  die nahegelegene Kathedrale an und vergessen auch nicht, vor der Abfahrt das Schild ins Hotel zurückzubringen, das uns faktisch als Anrainer  (Parken) ausweist und werden  den nun eingesparten Tag für eine Fahrt ans Meer nutzen. Wir versuchen, so oft es möglich ist, auf einer Straße entlang bzw. oberhalb der Steilküste zu fahren -  die uns traumhafte Blicke auf die Küste erlaubt. Santa Felin – Cala Giverola -  Tosse de Mar, ein vielbesuchtes katalanisches Seebad mit historischer Altstadt, die als einziger mittelalterlicher Ort der katalonischen Küste vollkommen von einer Stadtmauer umgeben ist.  Die Vila Vella erhebt sich auf einem schon zu Römerzeiten besiedelten Felskap. Von hier genießt man einen schönen Blick über die geschwungene Sandbucht, der Tossa wohl auch einen Teil seiner Beliebtheit zu verdanken hat. Wir machen einen Bummel durch die für Touristen aufbereitete Altstadt, trinken einen Kaffee, sehen einen Albatros auf seinem Nest.

Weiter… LLoret-de Mar, Canet de Mar - zum Teil führt die Straße durch die Ortschaften - Bahnhöfe, Yachthäfen – Mataro - wir  fahren gewissermaßen an Barcelona vorbei in Richtung Sitges - es geht bergauf -  auf der Gegenfahrbahn ein Wahnsinnsverkehr.

„Sitges macht Spaß ! Durch die engen Gassen des hübschen Ortskerns flaniert ein angenehm gemischtes Publikum. Tendenz  “schräg“.  Im Sommer herrscht Betrieb fast rund um die Uhr. „

Suche nach einem Hotel. Immerhin erst einmal einen Parkplatz gefunden.  Das erste Haus ist gar kein Hotel, wir  bekommen aber  einen Ausdruck zum Thema Hotels in der Stadt. Beim zweiten Hotel findet sich ein sehr netter Mensch - er könnte Franzose sein - der uns zum dritten Hotel führt, dem Romantischen Hotel,  der auch ein bisschen Deutsch spricht. Hier ist dann ein Zimmer frei für uns, das Auto kann in der nahen Tiefgarage untergebracht werden. Das Zimmer ist  leicht verspielt wie das ganze Hotel - zum Genießen. Allerdings fehlt uns die Zeit. Es gibt auch wieder mal WLAN. Wir gehen erst einmal zum Essen in eine Tapas-Bar. Ich - viele kleine Tapas, Günter eine wirklich gute Käseplatte - Bier, Wasser,  Wein und einen Sitzplatz. Bummel durch die Stadt, Blick auf den Strand, viele Touristen, viel Leben, schöne Geschäfte und ….viele Hundebesitzer. Hinweis auf die kommenden Festlichkeiten, Kulturveranstaltungen zu Fronleichnam, das hier viel fröhlicher begangen wird als bei uns. Kinder werden mit roten Nelken beschenkt, wir wissen nicht, welcher Brauch dahinter steckt. Wir bummeln durch die Stadt und haben  Schwierigkeiten, den Weg zurück auf Anhieb zu finden. In dieser kleinen Stadt kommt zum ersten Mal ein gewisses Urlaubsgefühl auf.

Gefahren sind wir heute 193 km.

9. Tag- Samstag, der 28. Mai

Heute nun geht es nach Barcelona. Wir fahren langsam durch die Stadt, schauen uns die beiden Strandabschnitte an. Und freuen uns an der angepassten, leicht villenartigen Bebauung außerhalb der Altstadt. Heute nun sind wir Teil des nach Barcelona fahrenden Kolonnenverkehrs, der zum Teil natürlich auch hervorgerufen wird durch Radfahrer, denen eben auch nur die Fahrbahn für alle  zur Verfügung steht und die dadurch zum Langsamfahren zwingen. Dank Navi finden wir problemlos den Punkt zur Übergabe des Autos am Flughafen. Wir waren heute noch einmal 36 km unterwegs - insgesamt sind es 1.891 km gewesen.  Da wir besagtes Navi noch als Fußgänger zur Orientierung im Stadtverkehr benutzen wollen, legt es Günter ganz oben auf das im Rucksack Gepackte. Wir fahren 4 Stationen mit der Metro, auf der Rolltreppe nach oben wird mir das Navi aus dem Rucksack gestohlen. Ich spüre, dass mich jemand irgendwie schubst,  drehe mich um - der Mann entschuldigt sich auf Französisch. Oben bemerken wir den Verlust - ein junges Paar erzählt, dass sie gerade erlebt haben, wie deutsche Touristen durch Antanzen ausgeraubt wurden.

Na ja, das Navi taugt nicht viel, Günter wollte es daheim eh wieder abstoßen. Unser Hotel liegt ganz in der Nähe der Rambla, einem Straßenzug, der knapp 1,2 km lang ist und bis zum Hafen führt. Es ist Samstag, Touristenmassen schieben sich über die Straße, es ist kaum vorstellbar, dass sich Einheimische das am Abend antun. Wir finden eine Tapasbar mit einer sehr freundlichen und umsichtigen Verkäuferin, die auch trotz äußerst anspruchsvoller junger russischer Frauen, die sich augenscheinlich Tapasempfehlungen aus dem Smartphone holen, ihre Ruhe bewahrt. Beim Bezahlen  bemerkt Günter, dass ihm dass Geld, was er in die hintere Hosentasche gesteckt hatte nach dem Kauf des Metrotickets am Flughafen, fehlt - und zwar komplett. Da wir auf der Suche nach einem Automaten keinen Erfolg haben, lassen wir  uns 100 Euro in einer Wechselstube auszahlen und bemerken erst zu spät, dass dafür eine erhebliche Gebühr (25 ¤) bezahlt werden musste. Offizielle Gaunerei im Anzug mit weißem Hemd und Krawatte. Das Bargeld ist Günter eindeutig am Eisenbahn-Ticketschalter gestohlen worden. Ich hatte gesehen, dass hinter ihm 2 junge „Touristen“ standen mit kleinen Rucksäcken, die dann plötzlich ihrer Wege gingen, woraus ich fälschlicherweise schloss, dass sie als mehr oder weniger Einheimische die Tickets am Automaten zu holen imstande  waren.

Wir gehen an der Kathedrale vorbei - vor ihr wird getanzt. Samstagabend wird hier immer der katalonische Volkstanz „Sardana“ getanzt.

10. Tag- Sonntag, der 29. Mai

Zuversichtlich, da ahnungslos machen wir uns in der Früh  auf den Weg zur La Sagrada Familia – die Einzigen sind wir nicht, dass wir allerdings - es ist jetzt 10 Uhr am Morgen - bis 16 Uhr hätten warten müssen, um  ein Ticket buchen zu können - ist dann doch nicht einladend.

So schlendern wir dann durch den Parc de la Cintadella, Barcelonas Stadtpark, der  im 18. Jhd. An der Stelle der ehemaligen Festung angelegt wurde. 1888 fand hier ein für Barcelona wichtige Weltausstellung statt.

Wir geraten an eine Demonstration - können aber nicht deuten, worum es hier geht. In der Cathedrale dann bleibt am stärksten in Erinnerung der Kreuzgang, in dem uns ein üppiger Garten mit Palmen und einem plätschernden Brunnen empfängt - und Gänsen, die daran  erinnern sollen, dass man ihresgleichen einst zur Bewachung der Anlage einzusetzen  pflegte.

Über die Rambla zurückkehrend überrascht heut zum Sonntag ein reichliches Angebot an Blumen und Pflanzen.

Nach einer Siesta steuern wir das Picasso-Museum an - die davor wartende Schlange lässt uns andere Ziele ansteuern - wir schlendern in Richtung Hafen.  Rollerfahrer, Radler, Inline Skater und Segway-Fahrer - große und kleinere Hunde - die Stadt ist auf den Beinen - oder vielleicht auch mehr nur die Touristen.

Doch die hiesige Hauptattraktion bildet das moderne Aquarium, eines der größten Europas. Da die Warteschlange hier überschaubar ist, gönnen wir uns einen Besuch. Der Clou der Anlage ist ein Großbecken, durch das der Besucher in einem 80m langen Glastunnel auf einem Laufband gefahren wird. Hier kann man Fische von durchaus beeindruckender Größe und vielleicht auch Gefährlichkeit quasi von unten und aus allernächster Nähe betrachten.

Heute wird hier Fronleichnam gefeiert – immer am Sonntag nach Fronleichnam, das bei uns stets donnerstags begangen wird. Wir werden überrascht durch einen Prozessionszug, der wie schon im Mittelalter zweigleisig ist. Begonnen wird mit dem volkstümlichen Teil mit Tanzgruppen, mit bunt gekleideten Riesenfiguren und Riesenköpfen (Gegants, Bestiari) mit der Reitergarde der Guardia Urbana und dann  gibt es den kirchlichen Teil, in dessen Reihen sich die Monstranz befindet und die von Priestern der Kathedrale und einer Vielzahl anderer Priester und kirchlichem Personal sowie Gläubigen begeleitet wird. Vor der Cathedrale wartet eine Menschenmenge - hoffentlich sind die da wenigstens die Einwohner der Stadt in der Mehrzahl, die ja sonst alles mit den Touristen teilen müssen. 

11. Tag- Montag, der 30. Mai

In der Früh Besuch der Markthalle, der ein bisschen enttäuschend ausfällt. Es ist wohl auch noch zu zeitig und wir  haben  Madrid noch vor Augen. Günter kauft sich einen Becher mit Früchten, der allerdings nur für Touristen erdacht wurde. So gönnen wir uns dann ein Frühstück in einem netten Cafe und entschließen uns anschließend, den Turm der Kathedrale per Lift zu erstürmen - die gelobte Aussicht enttäuschte ebenfalls.

Nächster Programmpunkt: Besuch des Palastes der Musik - Palau de la Musica Catalana. An der Kasse entscheiden wir uns kurzerhand für die nächste Führung, eine Führung auf Katalonisch. Es war eine wirklich gute Entscheidung – wir waren zu dritt - die junge Frau aus Barcelona - weitgereist und in Englisch bewandert - genoss die intime Führung auf katalonisch/englisch ebenfalls. So konnten wir Vieles erfahren und genießen - wir waren zum Beispiel auch auf dem Balkon und den berühmten Säulen so sehr nahe - und auch die computergesteuerte Orgel spielte nur für uns Drei allein. Das Theater – „ein Traum in Marmor, farbigen Fliesen und Glas: Besonders sehenswert  sind hier die Glasfenster, Mosaiken und Skulpturen…“. Der Konzertsaal ist Bühne  für viele  berühmte und bekannte Orchester und Künstler.

In der Cafeteria des Palastes sitzend konnten wir bei Tapas und Bier (Günter) die Größe der nach uns kommenden Gruppen „bewundern.“ Im Internet las ich, dass die Größe einer Gruppe auf 55 Teilnehmer beschränkt wäre.

Später bummeln wir durch Stadtviertel, in denen ein Brot beim Bäcker nur  0,50 Euro kostet und wir uns damit  Kaffee trinkend noch eine Siesta  leisten konnten. Wir sehen in diesen leicht heruntergekommenen Vierteln sehr viel Polizei, im Szeneviertel Gracia (Stadtteil von Barcelona) hatte es tagelang Auseinandersetzungen gegeben mit Hausbesetzern und der Polizei. Wir stoßen auf Schachspieler im  grünen Innenhof der Bibliothek, die zur Universität gehört.

12. Tag- Dienstag, der 31. Mai

Heute steht uns nur ein halber Tag noch zur Verfügung. Wir frühstücken im Cafe nebenan und genießen die Tatsache, dass man uns den Tee in Kännchen serviert. Dann stellen wir uns vor dem Palau Güll an. Ein bisschen zu zeitig, aber wir haben heute ja nicht mehr so viel Zeit zur Verfügung.

Gaudi konzipierte dieses Wohnhaus, das nur wenige Schritte abseits der Rambles liegt, für seinen Freund und Gönner, den Industriellen Güll. Es ist gewissermaßen ein „Mehrzweckhaus“ mit Wohnungen, Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen, das unteres Geschoß war den damals noch üblichen Pferdekutschen vorbehalten. Ein Teil der Fassade erinnert an einen venezianischen Palast, auffällig die beiden großen ovalen Tore an der Vorderseite, durch die man dann mit Kutschen direkt in die Pferdeställe fuhr.

Das Zentrum des Hauses ist ein 17 m hoher Saal, der mit Wandmalereien verziert ist. Hier wurden auch Gottesdienste abgehalten und wir kamen in den Genuß von Orgelmusik, die nur in bestimmten zeitlichen Abständen ertönt. Auf der Terrasse befinden sich 20 mit Keramiken verzierte Kamine.

Wir haben uns das Haus ohne Audio-Guide angeschaut, da wir ja zeitlich etwas eingeschränkt waren. Wir waren allein vor allen Touristen  - es war gerade deshalb vermutlich auch wieder ein echter Genuß.

Anschließend fahren mit dem Bus zum Flughafen - es ist noch einmal eine recht angenehme Fahrt durch die Stadt - steigen am falschen Terminal aus - gelangen dann aber doch mit dem „grünen“ Bus zum richtigen Terminal. Vom Autoverleih erhielten wir daheim in München eine Mitteilung über Bearbeitungsgebühr wegen eines Verkehrsdeliktes - aber bis November ist noch nichts Konkretes eingetroffen.

 

Rundreise durch den Nordosten von Spanien mit Aufenthalt in Barcelona

20. Mai bis 31, Mai 2016

Kosten: Mietwagen „Leon“, ganz neu, Euro 180,- ; Diesel/Parkkosten  157,- ; Essen, soweit nicht in Hotelpreis enthalten: 370,-- ; Flug LH: 446,- ; Hotel:           

Gefahrene Strecke: 1.891 km

  ©  Guenter Knoblauch