Verdensend

1. Tag - 24.5.2011

Mittagsflug mit der SAS- Speiseangebot erbärmlich- total trockener Sandwich gegen Geld

Ankunft in Oslo - dichte Wolkendecke, minutenlang sieht man überhaupt nichts. Übergabe des Autos problemlos, ein grauer Suzuki Swift. Lillehammer: Der Ort wirkt menschenleer, da Geschäfte geschlossen  und nur wenige Touristen unterwegs sind. In völliger Unkenntnis der Dinge essen wir eine Pizza - wir müssen uns erst einleben in norwegische Preise. 

2. Tag - 25.5.2011

Die Sonne scheint - Frühstück in einem Riesensaal – es sind nur einheimische Gäste vor Ort. Bevor wir weiter fahren, geht es noch mal durch  die Storgata, die Hauptstraße des Ortes. In der Früh beleben zumindest ein paar Leute das Stadtbild und die Geschäfte sind geöffnet. Weiter dann zum Freilichtmuseum Maihaugen, das zu den umfangreichsten volkskundlichen Sammlungen Nordeuropas zählt. Es umfasst über 150 Gebäude, alte Bauernhöfe und Werkstätten, die die Geschichte des Gudbrandsdales erzählen.

Weiterfahrt in Richtung Fagernes – über Gol , wo wir eine Kaffeepause einlegen – Cafe Latte wird künftig eine Art Ersatz für ein Mittagessen werden - um dann nach Geilo weiterzufahren. Fahren vorbei an Torpo, an einer winzig kleinen Stabkirche liegt ein Friedhof - die bescheidenen niedrigen  Grabsteine stehen auf einer Wiese, das Ganze wirkt sehr natürlich. Anhand von Inschriften der Grabsteine lässt sich die Sprache auch recht schnell lernen. 

Geilo liegt auf 900 m Höhe, die Temperatur sank von 14 Grad auf 8 Grad - aber irgendwie gewöhnt man sich schnell dran.

3. Tag - 26.5.11

Es ist kalt draußen, wir genießen erst einmal ein sehr reichhaltiges Frühstück. Als die einzigen Gäste im Frühstücksraum. Unser Fernziel soll heute Jondal sein – es wird wieder eine lange Fahrt.

Wir fahren jetzt über den nördlichen Ausläufer der Hardangervidda  zum schönen Wasserfall Voringfoss. Die Hardangervidda ist Europas größte Hochebene und erinnert an eine sibirische Tundra. Von etwa 10 000 Jahren war das Gebiet vom Eis der letzten Eiszeit überdeckt, wovon noch die vielen Seen und Moränen zeugen. Wir sehen zugefrorene Seen, zu beiden Seiten der Straße liegt Schnee, es hat hier gestern  geschneit. Auf einer Höhe von 1140 m stehen Steinmännlein- das wird wohl dann der Paß sein. Es herrscht Nebel. Stop am Stausee in Sysenvatu.

Voringfossen - zu bewundern ist der Wasserfall, einer der schönsten und beliebtesten Wasserfälle Norwegens nebst so genannten Wölbbrücken - zudem ist die Landschaft nun wieder grüner geworden, überall am Wegesrand die Birken, die uns noch lange begleiten werden.

Durch diverse Tunnel gelangen wir nach Eidfjord, einem Seitenarm des Hardangerfjords, Lofthus wird passiert, nunmehr am Ostufer des Sordefjordes, auch hier vorbei an Obstanbaugebieten, die steil am Berghang liegen. Odda – einst ein beliebtes Touristenziel, reizvoll gelegen am Ende des Sorfjordes – ist nunmehr zu einem Industriestandort geworden.  Nunmehr geht es von Utne nach Jondal.  Dem Reiseführer ist zu entnehmen, dass da als Übernachtungsmöglichkeit ein weißes Holzhaus mit Cafeteria zur Verfügung steht. Zum Glück bekommen  wir da auch ein Zimmer, es ist wieder spät geworden. Beim Laufen durch das „beschauliche ,inmitten lieblicher Landschaft gelegene Dorf“ sehen wir gelangweilte Dorfjugend, Schafe, die aussehen wie Schweine mit ihren kurzen Beinen und dem sehr gedrungenen Körper und eine einzige Frau in ihrem Garten.

4. Tag - 27.5.2011

Nach  reichlichem Frühstück  fragen wir noch, ob der Mann der Wirtin weiß, weshalb die Fahne des Dorfes  auf halbmast gezogen wird - der König ist noch am Leben, so  kann es sich nur um einen Trauerfall innerhalb des Dorfes handeln, was wiederum die Wirtsleute wissen müssten, da der Leichenschmaus gewöhnlich bei ihnen stattfindet.

Um nach Bergen zu gelangen, müssen wir über den Hardangerfjord übersetzen- heute sind Strecke und somit auch Fahrtzeit erträglich und wir können Bergen in aller Ruhe durchwandern.

Das Navi führt uns zu einem Hotel mit Namen Hotel Klosterhagen, der Weg zum Parkhaus ist ein wenig umständlich, das Navi führt uns durch sehr enge Gassen.

Bergen hat eine Uni, durch die Studenten ist das Klima vermutlich ein bisschen offener. Normalerweise sind die Norweger durchweg hilfsbereit (über Englisch) , aber man muß auf sie zugehen. Verblüfft hat die Sprachlosigkeit im Frühstücksraum oder beim Belegen eines Platzes im Flugzeug. Auch das Personal im Hotel kannte das Grüßen, das eigentlich international gepflegt wird, nicht.

Wir schauen uns die Altstadt, Tyske Bryggen (Deutscher Kai) an, die nussbraunen Hansehäuser der deutschen Hanseaten, die nach einem Großbrand 1702 originalgetreu wieder aufgebaut wurden und jetzt zum Unesco Kulturerbe zählen. Über Tage wird das Viertel von Touristen heimgesucht, als wir abends noch einmal vor Ort waren, konnte man das alte Erbe dann doch etwas authentischer genießen, da alles Souvenirläden und Cafes geschlossen  und somit auch die Touristen verschwunden waren.  

5. Tag - 28.5.2011 

Es gibt Frühstück mit Home made Angeboten, wir sind nahezu allein im Frühstücksraum. Ein ganz normales Frühstück wäre uns aber lieber gewesen. Es regnet wieder oder immer noch. Unser heutiges Zeil wird Flam sein – das wissen wir aber erst am Abend.  Auf der Strecke fiel uns  ein Verkehrszeichen auf, das wir so noch nicht gesehen hatten: ein Auto mit 2+- da alle anderen links fuhren, taten wir es ihnen gleich, hätten aber, da wir zu zweit im Auto saßen, dann mit gutem Gewissen auch rechts fahren können. Ich frage in einer Tankstelle danach. Im Nachhinein macht es ja auch Sinn.

Wir fahren über Voss an dem sehr schönen Wasserfall Tvindefossen vorbei, der in Kaskaden in die Tiefe spritzt. Um zum Fähranleger im kleinen Ort Gudvangen zu kommen, „benutzen beherzte Fahrer statt der bequemen E 16 (die durch einen Tunnel führt) die alte Trasse durch die Stahlheimschlucht (Stalheimsskleiva )Hier windet sich   die asphaltierte, aber sehr enge Straße mit 13 Haarnadelkurven an einer Steilwand in die enge Schlucht hinab. .“

In Gudvangen machen wir Pause, trinken unseren das  Mittagessen ersetzenden Cafe Latte. Günter stellt fest, dass es keine passenden Fährverbindungen gibt nach Flam, so fahren wir bald weiter. Als erstes geht es wieder durch einen längeren Tunnel (12 km - dafür braucht man so etwa 10 min, es herrscht so gut wie kein Verkehr im Tunnel, dem Hinweis auf ein Radargerät folgt auch wirklich eines in einem Abstand von nur wenigen Metern) - vor dem nächsten, ebenfalls sehr langen Tunnel fahren wir noch nach Undredal. Dort steht die angeblich kleinste Stabkirche Norwegens -wir hätten für die Besichtigung der fensterlosen Kirche zusammen  15 Euro bezahlen müssen, wir lassen es. Von Gudvangen kommend erreicht man über eine ziemlich überdimensioniert wirkende Brücke das am Aurlandsfjord gelegene Flam. In Flam finden wir dann noch eine bezahlbare Unterkunft ein bisschen weiter draußen, die den netten Namen „Heimly Pensjionat“ trägt und gut belegt zu sein scheint. Wir gehen am Abend noch mal spazieren, sehen ein Schiff im Fjord, es ist die „Mein Schiff“. In einem bescheidenen Cafe, in dem ich einen Kakao trinke, treffen wir auf Inder aus Sikkim, aus jenem Ort, von dem aus wir unsere Tour nach Darjeeling  starteten. Irgendwie auch ganz lustig.Wir schauen noch den Touris vom Schiff zu, die mit Regenschirmen bewaffnet der Flam-Bahn entsteigen, die sie durch das romantische Flamdal bis nach Myrdal brachte  und auf der der Zugführer, der gleichzeitig auch Reiseführer ist, Fotostopps einlegt.

6. Tag - 29.5.2011

Es regnet, zwei Schiff liegen im Fjord, die Touris streben wieder der Bahn zu - bezahlt ist bezahlt. Wir brechen auf in Richtung Sandane. Es wird wieder ein sehr langer Tag werden. In etwa 5 km Entfernung liegt Auerland mit weißen Holzhäusern und einer Kirche aus dem Jahre 1202. Wir allerdings sind mehr interessiert an dem südlich des Ortes gelegenen Otternes eines Bauerndorfes mit seinen knorrigen Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert. Günter versucht auf einer der Paßstraßen nach Laerdal zu fahren. Die Aussicht auf den Auerlandfjord zählt zu den schönsten Panoramen Westnorwegens.   Es lag auch kaum noch Schnee, aber die Straße war dann doch noch durch eine Schranke gesperrt. Man hält sich eben hier an feste Daten, wir haben es noch später erlebt. Zurück  nach Auerland auf die  E16 und durch den 24 km langen, kostenlosen Laerdaltunnel. Wir brauchen etwa 25 min, auch hier sind Radargeräte mit der üblichen Vorwarnung stationiert. An Laerdal kann Günter sich noch erinnern, es gibt noch das alte Zentrum mit den  hübschen farbenfrohen Holzhäusern. Läuft man die Hauptstraße entlang stößt man auch auf einige Schweizer- und Jugendstilvillen .  

Um in Richtung Sogndal zu gelangen, müssen wir die Fähre nehmen. Auf halbem Wege zwischen Laerdal und Sogndal liegt Kaupanger. Die Sonne scheint, Auch hier Obstbäume in voller Blüte. Von Sogndal aus geht es in Richtung Sandane weiter. Die offene Landschaft ist lieblich, grüne Wiesen, rote Häuser, Schnee auf den Hängen. Blick auf einen Gletscher. Wir kommen an ein Restaurant, dass von der Frontseite her aussieht wie eine kleine Hütte, kaum tritt man ein, kommt man in einen Riesensaal, modern gestaltet und einen schöne Blick durch die verglaste Front nach draußen. Trinken einen Cafe Latte. Und laufen anschließen ein paar Schritte in Richtung Gletscher.

In Sandane angekommen, beginnt wieder die Suche nach einer Bleibe. Das „wunderschöne Biedermeier-Hotel“ ist einfach zu teuer, sieht auch nicht sehr einladend aus, da vor Ort gebaut wird. Wir geraten dann noch an ein Hostel, eine junge Aushilfskraft für die Sommersaison zeigt uns ein Zimmer, uns fehlt aber die Bettwäsche. Müßten wir sie ausborgen , kämen wir dann auch auf einen Preis, für den wir uns fast ein Hotelzimmer leisten könnten. Die junge Aushilfe scheint richtig enttäuscht zu sein, dass wir nicht bleiben. Viel ist da eh noch nicht los. Also dann auf nach Anda, da geht es wieder mal übers Wasser- das Wetter ist nicht das beste, es regnet. Nordfjordeid ist jetzt unser Ziel. Es regnet immer noch. Hier soll sich angeblich alles um Pferde drehen. Die Fjordinger sind das Wahrzeichen der Region. Uns liegt im Moment aber mehr an einer Unterkunft - wir finden ein Hotel, das von einem Türken gepachtet wurde. (Sentrum Hotel). Er steht an der Tür und bastelt an einem Schloss. Bei einer Tasse Tee kommen wir dann ins Gespräch (Englisch), mir fällt im Moment kein vernünftiger türkischer Satz ein - wir sind heute 245 km unterwegs gewesen, das ist sehr viel für die Wegverhältnisse. In der Früh „unterhalten“ wir uns dann noch auf arabisch - er spricht seinen syrischen Dialekt, ich Hocharabisch.

7. Tag - 30.5.2011

Heute steht der Geiranger Fjord auf dem Programm. Fahrt nach Hellesylt, langes Warten auf die Fähre - es ist kalt, allerdings hat man sich an die Kälte gewöhnt. Auf der Fähre beginnt es zu regnen. Der Fjord, der seit 2005 auf der UNESCO-Welterbe-Liste steht, gilt als einer der Sehenswürdigkeiten Norwegens. Auf der 90minütigen Tour passiert man viele mehrere 100 m über dem Fjord gelegene verlassene Bauernhöfe, die auf dem Seeweg oft nur über Leitern erreichbar waren. Angeblich wurden die eingezogen, wenn die Steuerbeamten kamen. Oft mussten sich die Bauern Trinkwasser aus dem Dorf holen, also dazu über den Fjord setzen. Einer der Bauern soll auf kleinstem Gelände Vieh und Pferde gehalten haben. Kinder mussten angebunden werden, um sie vorm Runterfallen zu bewahren. Als erstes sieht man allerdings einen Wasserfall mit dem Namen „Die sieben Schwestern“, da sich das Wasser beim Herabstürzen teilt und zu einem silbrigen Nebel zerstiebt, der einem Brautschleier gleichen soll.

Der kleine Ort Geiranger dient natürlich voll und ganz nur dem Tourismus und die kleine Cafeteria hat schwindelerregende Preise anzubieten. Wir lassen es bei einem Cafe Latte. Empfohlen wird diese Stätte allerdings vom Lonely Planet - es ist kaum vorstellbar, dass Backpacker hier einkehren würden.

Weiter geht es in Serpentinen nach Eidsdal. Der Trollstigen ist noch gesperrt, auf der  Plattform auf dem Ornesvingen kann man dann bei Sonne und 7 Grad (immerhin) noch einmal in den Fjord hineinschauen. Die Einzigen sind wir dabei nicht, vor uns waren nur ein paar Leipziger mit dem Motorrad da, nach uns kamen Gruppen. Von Eidsdal nach Linge mit einer schnellen Fähre, runter nach Stordal – immer wieder geht es durch Tunnel bis wir Alesund erreicht haben.

Alesund, die norwegische Stadt des Jugendstils. Erst einmal gilt es, ein Hotel zu suchen und zu finden, das Auto kann nicht weit davon abgestellt werden. Der junge Mann an der Rezeption ist mit den norwegischen Straßen nicht zufrieden und vergleicht mit deutschen Autobahnen. Ihm scheint es aber  eher um das Tempolimit zu gehen.

Natürlich sind die Geschäfte schon geschlossen, also ist auch so gut wie nichts weiter los. Nur in einem Pub scheint Stimmung zu herrschen.

Anfang des 20.Jahrhunderts vernichtete ein Großbrand über 800 Holzhäuser der Stadt, die damals schon 11 000 Einwohner zählte. Doch nach nur drei Jahren war Alesund im damals zeitgemäßen Jugendstil wieder auferstanden (der Bau von Holzhäusern wurde gesetzlich verboten). Unterstützt wurde man beim Wiederaufbau vom damaligen deutschen Kaiser und Norwegen Fan Wilhelm II. Er sandte mehrere Schiffe mit Baumaterial. Als Dank dafür stellte man seine Büste in

den Stadtpark. Wir bewundern die wirklich sehr schönen Jugendstilhäuser und geraten in die Borgund-Kirche. Die Tür war offen und bald merken wir, dass wir in die formlose Vorbereitung einer Trauung geraten sind. So konnten wir uns wenigstens diese Kirche anschauen. Normalerweise sind Kirchen nur zu festen Zeiten geöffnet und kosten Eintritt. Wunderschöne Wandmalereien im Jugendstil.

Heute haben wir übrigens 175 km zurückgelegt.

8. Tag - 31.5.2011

Nach Andalsnes sind es erst einmal 165 km. Von da aus geht es nach Molde, das bekannt ist für sein ausgesprochen mildes Klima, deshalb trug der Ort einst den Namen „Stadt der Rosen“. Davon haben wir nicht so viel gemerkt. Der Ort an sich gefällt uns sehr, er musste nach den Zerstörungen durch den 2. Weltkrieg wiederaufgebaut werden und wirkt recht modern. Schwierig war die Parkplatzsuche, wir sahen Politessen in Aktion und hatten dann letztlich doch noch Glück vor einer Cafeteria für eine Stunde das Auto abstellen und den üblichen Mittags-Cafe Latte zu trinken zu können.

In Richtung Kristiansund sucht Günter erst einmal einen gebührenfreien  Tunnel aus, so kommen wir auf einer Straße, die durch weite Moorgebiete und liebliche Fjorde führt, zum Fischerdorf Bud, einem Ort, in dem die Natur die Oberhand behielt und Seevögel sich durch den im 2. Weltkrieg erfolgten Umbau des Vogelfelsens zur Bastion sich nicht in die Flucht schlagen ließen. Teile der Bastion und Waffen sind noch zu besichtigen.

Zwischen Molde und Kristiansund liegt die Atlantikstraße, die aus 8 Brücken bestehend, Kristiansund auf dem Landweg erreichen lässt. Die Zufahrt zur Atlantikstraße erfolgt durch einen 6 km, interessant gestalteten Tunnel – bei der Einfahrt erhielten wir am Kassenhäuschen Informationsmaterial zu Kristiansund. Sehr  eindrucksvoll die  260 m lange Storeseisund Brücke, die „einen hohen Buckelt wirft, damit eine Durchfahrtshöhe von 23 m Höhe für Schiffe garantiert wird“. In der Stadt angekommen sind wir wieder mit der Suche noch einem Hotel beschäftigt - hier greift der Fjord Paß, dh. wir bekommen einen leicht reduzierten Preis, auch das Auto findet Platz in einer Garage. Es ist schon wieder Abend, die Geschäfte sind geschlossen, es sind nur wenige Leute unterwegs. Die Stadt wurde auf der Nahtstelle zwischen Ozean und Festland auf drei Inseln gegründet, so verkehren zwischen den Inseln kleine Sundbate - gewissermaßen als Busverkehr. Wir laufen am Hafen entlang, finden dann in einem kleinen Einkaufszentrum noch etwas zum Essen - es ist  auch Treffpunkt für gelangweilte Jugendliche, wo sie sich zumindest  ein Getränk  leisten können. Das norwegische TV, das ich hier mal testen kann, ist zum Teil recht provinziell. Unter News kommt doch tatsächlich mindestens 10 min lang ein Bericht über die Verfehlungen des schwedischen Königs. Heute waren wir übrigens 307 km unterwegs.

9. Tag - 1.6.2011  

Viel geschlafen haben wir nicht -die Nacht war sehr hell und der Flugverkehr auch nicht zu überhören. Die Sonne scheint - es scheint ein Superwetter zu werden. Mit der Fähre geht es nach Tommerveg, wir sind die einzigen Touristen auf der Fähre, alle anderen scheinen zur Arbeit zu fahren. „Die Landschaft zwischen Kristiansund und Trondheim gehört mit ihren waldreichen und weiten Tälern sicher nicht zu den aufregendsten Gegenden Norwegens“- wie wahr. Wir machen eine Pause in Aura, parken an einer Kirche, sehen den Pfarrer, leicht gebeugt, vermutlich ist er ein Wanderpfarrer, der mehrere Gemeinden zu betreuen hat. Uns gefällt wieder der kleine Friedhof auf einer Wiese.  Die Strecke, die wir fahren, ist eine alternative Route zur Hauptverbindung, die alten blauen Schilder mit dem M für Moteplass (Ausweichen) erinnern dran. Kaffeepause in Orkdal, einer netten kleinen Straßensiedlung. Die junge Frau im Cafe versucht sogar deutsch zu sprechen. Hier sehen wir sogar Menschen auf der Straße - Rentner trinken ihr Bierchen.

Trondheim wird am frühen Nachmittag erreicht. Voll im Stau. Das Finden bzw. Anfahren eines Hotels ist der reine Stress. Wir hatten uns ein Thorn Hotel rausgesucht, da sich hier zumindest eine Parkmöglichkeit auftat. Wir machten uns anschließend auch gleich auf Tour, die Stadt zu erkunden, die uns wirklich gut gefiel. „Rund um Norwegens Nationalheiligtum, den Nidarosdom entfaltet sich eine lebhafte Stadt mit heimeligen Gassen und breiten Straßen, bunten Holzhäusern und hohen Glaspalästen“. Letzteres ist uns nicht so aufgefallen, aber die Domkirche war dann Mittelpunkt eines nicht alltäglichen Ereignisses. Grundschulkinder waren aufgebaut auf der breiten Straße, die zum Dom führte, hatten Fähnchen in der Hand und warteten ganz offensichtlich, wurden in Schach gehalten bzw. unterhalten durch andere Kinder, die auf Stelzen liefen, ich glaube, es waren auch Clowns dabei (ebenfalls ältere Kinder). Die Idee war nicht schlecht und spricht von Erfahrung bei ähnlichen Events. Innerhalb des Kirchengeländes standen  auch eine Handvoll Leute und ein munterer Kinderchor (Grundschule) - auf meine Frage (Englisch) wurde mir beschieden, dass man aufs Königspaar warten würde. Da diese Gelegenheit einmalig war, blieb auch ich stehen und wartete…erstaunt ob der fehlenden Sicherheitsvorkehrungen. Nachdem ich mich daheim kundig gemacht habe, weiß ich jetzt, zuzuordnen, wer der König war. Die Königin kam mit dem Duke of Luxembourg. Nun ja, der Kinderchor sang - reichlich chaotisch. Als die Königin sich in Bewegung setzte, gab ihr eine Frau vor mir einen Blumenstrauß - das funktionierte auch.........Heute waren wir übrigens 210 km unterwegs gewesen.

10. Tag  -  2.6.2011

Trondheim: Günter hatte schon über eine alternative Ausfahrt aus der Stadt nachgedacht, da wir gestern so im Stau steckten - aber heute ist Lordag - heute ist Christi Himmelfahrt - alles ist frei, sogar das Parken an der Kirche. Es gibt auch Norweger, die darob sehr verwundert sind.

Wir machen uns wieder auf den Weg – als unser heutiges Fernziel soll sich Lom erweisen. Die Straßen sind leer, wir sehen nur einsame Jogger, Radler und Angler und ein Radargerät auf der E16 - die Warnung davor haben wir übersehen. Mitunter geht es auch Anderen so, Günter hatte mal eine enorme Bremsspur vor einem Gerät gesehen. Wir erreichen Oppdal, eine Stadt, die sehr sauber und einladend wirkt und in einer der besten Sportregionen Norwegens liegt. Wir sehen uns Kirche und Friedhof an, sehen , wo der Frühlingsweg beginnt, ein 7 km langes, noch begehbares Stück des alten Königswegs zwischen Oslo und Trondheim. Es ist gewissermaßen ein historischer Pfad, da im Frühjahr in dem hier sehr engen Talabschnitt die Gefahr von Überschwemmungen hoch war, wurde zu dieser Jahreszeit der Pfad oberhalb der Talsohle geführt. 3 km außerhalb von Oppdal befindet sich das größte bekannte Gräberfeld aus der Wikingerzeit mit mehr 750 Grabhügeln – so richtig beeindruckend war es nicht.

Immerhin scheint hier die Sonne, es sind ganze 16 Grad.

Wir kommen an Kongsvoll vorbei und fahren jetzt am Dovrefjell-Nationalpark entlang. Die Landschaft ist noch braun, tundramäßig, es liegt  noch etwas Schnee. Auf der Straße hin und wieder Anzeigen für Windstärke (11m/sec). Günter versucht ein bestimmtes Fotomotiv einzufangen, von dem er meint,  dass er es vor knapp 30 Jahren schon einmal fotografiert habe. Wir erreichen die Passhöhe von 1026 m – der Punkt heißt Hjerkinn- wir haben schönen Blick auf den im Westen gelegenen Snohetta, den höchsten Berg des Gebirgsmassives.

Wir erreichen Dombas und sehen zum ersten Mal Menschenmassen. Genauer gesagt einen vollen Parkplatz, Dombas ist Ausgangspunkt für Touren und Wanderungen. In Nord  Sel schaffen wir es, auf den Jorundgard zu gelangen, einem extra für die Verfilmung des Romanes „Kristin Lavranstochter“ von Sigrid Undset konstruierten Hof aus dem 13. Jh. Zu gelangen. Dieses Film-Zuhause mit seinen 16 Gebäuden und einer kleinen Stabkirche dient heute als lebendiges Museum, das allerdings, wie zu erwarten war, noch nicht geöffnet war.  Ein junger Mann stand davor und erklärte auf Nachfrage, sein girl friend jumped over the fense …Günter findet hinterm Kassenhäuschen eine Möglichkeit, leicht über einen Zaun zu kommen und die anderen Tore lassen sich irgendwie öffnen . Der junge Mann kommt hinterher und sagt,  sein ganzes Deutsch zusammenraffend „ganz gut“. Immerhin - seine Freundin ist doch leicht erstaunt und wohl auch erfreut,  ihn plötzlich doch auf dem Gelände anzutreffen. Selbst eine Stabkirche und ein Pranger sind da zu bewundern.

Und irgendwann dann landen wir auch in Lom. Es waren heute 311 km, die wir auf der Strecke waren.

Viel Auswahl gibt es nicht, was die Hotels betrifft. Es ist eine Art Jugendherberge, denk ich mal, wo wir gelandet sind. Teuer wie immer, aber mit einem wunderschönen Blick aus dem Zimmer- auf ein Wasserrad und eine Stabkirche.  Draußen regnet es, es weht ein kalter Wind, wir ernähren uns mehr oder weniger von unseren Vorräten.

11. Tag  - 3.6.2011

Heute steht uns eine ganz besondere Überraschung bevor - aber erst einmal gehen wir zum Frühstück – hier darf man sich Proviant mitnehmen,  Plastikbeutel liegen dazu aus. Die  Stabkirche  ist die größte Attraktion der Siedlung und zählt zu den schönsten des Landes. Sie öffnet heute vor der Öffnungszeit- wir haben Glück, vor uns kam eine Gruppe Touris an. Es gibt hier ermäßigte Preise für Rentner, das ist zu akzeptieren- wir erhalten eine sehr gute Beschreibung in Deutsch dazu und sind allein in der Kirche. Sie ist wirklich schön und die nette  Frau von der Kasse kommt dann auch mit einer Taschenlampe, um uns die Drachenmotive im Inneren zu zeigen. Sie erzählt uns noch, dass es im letzten Winter 37 minus hatte und die Kirche dann nicht geöffnet ist.

Das Navi scheint auszufallen, es hatte schon gestern nach dem Code gefragt. Nach dem Tanken geht es auf die Rv 55, die vom Sognefjord kommen, in Lom endet. Wir fahren sie nun in der entgegen gesetzten  Richtung. Die Landschaft ist rau, wir fahren faktisch entlang des Jotunheimener  Nationalparks, die Serpentinenstraße ist eine der schönsten und beeindruckendsten  Paßstraßen Norwegens – letzteres dürfte schon mal stimmen. Die drei engen Mautstraßen , die zu Hütten und Unterkünften abzweigen, sind noch gesperrt, beidseitig unserer Straße liegt der Schnee  meterhoch – zudem ist es nebelig.

Mit 1.440 m erreichen wir den höchsten Punkt der Gebirgsstraße. Bei guter Sicht wäre man vom Panorama „überwältigt“.„Für Norwegen ungewöhnlich schroffe, alpenähnliche Bergspitzen, endlose Schneeflächen und zäh dahin fließende Gletscher machen den Reiz dieser einmaligen Landschaft aus. Doch wehe, wenn…eine dicke Nebel – und Wolkensuppe verschleiert dann jedweden Blick und Sturmböen reißen alles um…“ Wir erreichen das traditionsreiche Berghotel Turtagro, wo die gewaltige Bergstraße nach Ardal abgeht. Wir fahren ein Stück die Straße entlang, Günter versucht von Motorradfahrern zu erfahren, ob sich die Fahrt auch lohnt. Sie allerdings deuten seine Handbewegung falsch und fahren winkend weiter - erst ein Autofahrer hält an und gibt Auskunft - das heißt, keine Sicht  auf der gewaltigen Bergstraße - also lohnt sich die Fahrt auch nicht. Wir fahren weiter nach unten – es wird wieder grün,  wir fahren nun am Ljustrafjorden entlang - grüne Wiesen, eine weiße Kirche, Schafe. Fortun – Skjolden - ein kleiner verschlafener Ort im Forundal.

Das nächste Ziel vor der Fähre ist  Urnes. Wir fahren fast eine Stunde ein recht enge Straße an diversen Siedlungen vorbei, in der Hoffnung, die Fähre fährt auch wirklich. Es gibt sie - es ist auch noch Zeit, so fahren wir rasch zur Stabkirche hoch, zum Laufen wäre es zu weit. Sie soll die älteste ihrer Art sein - wir wollen nur von außen einen Blick auf sie werfen, gehen durch das kleine Gartentor zum Friedhof und haben sofort die Kartenverkäuferin im Nacken die auf die Tafel mit dem Hinweis zum Ticketkauf weist. Ich sage ihr, dass wir nicht ins Innere wollen, da wir auf die Fähre angewiesen sind. Gehe dann aber zum Ticket kaufen - jetzt will sie aber nicht, jetzt ist es ihr peinlich – nur eben, es steht auch auf Deutsch da. Ich glaube, sie spricht auch deutsch. Nun ja - wir sehen von oben die Fähre kommen, es ist eine ganz kleine, der Kapitän scheint am Vortag gefeiert zu haben…...aber er legt ab und auch wieder an.

Wir kommen in Solvorn an, einem kleinen Ort mit weißen Häusern inmitten von Obstplantagen. Fahren diesmal vorbei an Sogdnal und Kaupanger, nehmen  die Fähre von Mannheller nach Laerdal und fahren weiter in Richtung Borgund. Die Fahrt  geht weiter durch ein sich zur wilden Schlucht  verengendes Tal, mit Wasserfällen und dem Königsweg zur Linken. Man hat dieses Tal als „historical veg“ offengelassen. Der echte  alte Königsweg ist als alter Weg am Berg noch zu sehen und macht einen durchaus abenteuerlichen Eindruck.Die Sonne scheint, es sind 15 Grad, es ist schon nach  17 Uhr. Die Stabkirche von Borgund gehört in jedes Touristenprogramm, sie ist eingerüstet und G. will nur ein paar Aufnahmen von außen, von der Wiese machen - und wird auch gleich wieder angegangen wegen eines Tickets, obwohl die Besucherzeit ja schon abgelaufen ist. Im Informationszentrum befindet sich auch eine Ausstellung und ein WC, für das wiederum Geld verlangt wird (10 Kronen sind mehr als ein Euro). Wir verkneifen uns alles, fahren weiter, nachdem klar wurde, dass auch hier keine Übernachtungsmöglichkeit vorhanden ist.

Noch einmal 79 km – aber die Straße ist frei und gut zu fahren. Wir erreichen Gol, die Übernachtungsmöglichkeiten halten sich auch hier in Grenzen. Heute waren wir 290 km unterwegs.

12. Tag - 4.6.2011

Über Nesbyen zum Tunhodfjorden - wir durchfahren eine landschaftlich sehr schöne Gegend, überall stehen Hütten, vor einer hängt die Fahne - das heißt, sie ist bewohnt. Wir bewegen uns in Richtung Kongsberg durch dass Numedal. „Ausgedehnte Wälder, fruchtbare Almen, alte Bauernhöfe und vier kleine, aber sehenswerte Stabkirchen sind zu erkunden.“

13. Tag - 5.6.2011

Als ich der Frau in der Reception beim Bezahlen sagte, dass es a nice place sei, meinte sie, ich wäre immer wieder willkommen. Darauf ich” It`s to expensive for me”- und sie „for us, too“

Immerhin ein gewisser Trost. In Jondal meinte die  deutsche Pächterin eines kleinen Hotels, dass ihr jeder Ausländer leid tue, der die norwegischen Preise zahlen müsse. Wir fahren weiter gen Süden  in  Richtung Tonsberg.  Wir fahren über Brevik, einem der Orte, der auch zu den schon erwähnten weißen Orten  des Sorlandes gehört. Uns gefällt wieder der schöne Kirkgarden (Friedhof) des hübschen alten Ortes. Umfangreiche Straßenarbeiten und eine geöffnete Brücke in Tonsberg führen zu einem lästigen Stau - bei der Durchfahrt durch Tonsberg versuchen wir schon einmal Hotels zu orten, wollen aber erst bis Verdens Ende (das Ende der Welt) fahren und nehmen dafür die Rv 308, die über zwei Inseln führt, die in eine  Schärenlandschaft eingebettet sind. Wir sind die Einzigen nicht, finden aber einen Parkplatz und können die Landschaft genießen. Und es scheint die Sonne - sie wird auch noch am Abend in Tonsberg scheinen, so dass wir den Gang über die Promenade genießen  und den abendlichen Bootsfahrern zuschauen können - heute ist ja auch Sonntag.

Zurück  also wieder  nach Tonsberg - immer wieder über die Bodenschwellen – die speed breaker /Farts dempere - die zuhauf angelegt wurden. In Tonsberg frage ich bei zwei Hotels nach dem Preis, beim dritten bleibe ich dann, obwohl ich erst ein wenig irritiert war, da asiatisches Personal am Computer saß und ich davon ausging, es könne sich um Touris handeln. Es war dies aber ein Hotel in chinesischer Hand mit Sushi Restaurant,  aber das Zimmer war OK, der Parkplatz hinterm Hotel war kostenlos, was nicht unbedingt das Normale ist.

Heute waren wir nur 186 km unterwegs. Es war trotz fehlenden Navis eine entspannte Fahrt

Wir entdecken die Nore-Stabkirche, die zwar noch geschlossen ist, in die wir aber durchs Fenster schauen können und schöne Rosenmalerei entdecken. An der Kirche ist ein Hinweis zu finden, dass der Schlüssel zur Kirche nicht beim Nachbarn ist, man also auch nicht dort klingeln solle. Wir können hier in aller Ruhe schöne Aufnahmen machen. Auch die Rollag-Stabkirche ist eine noch aktive Kirche mit einem noch benutzten Friedhof. Erst dachten wir, die Leute vor uns wären auch Touris, nein, sie kamen zur Gräberpflege. Die Flesberger-Stabkirche  bleibt in Erinnerung ihres schönen Drachenportals wegen.

Bei 23 Grad kommen wir in Kronsberg an. Trinken einen Cafe Latte. Fahren nach Lunde und sind somit am Telemark-Kanal - nicht ganz allein natürlich, da auch gerade ein Schiff, die „Henrik Ibsen“, abgeschleppt wird. Kommen ohne Einsatz des Navi auch noch nach Kragerö - nach immerhin 9 Stunden reiner Fahrtzeit.

Für Munch war Kragerö “ die Perle unter den Küstenstätten“ Heute spiegeln 3500 Ferienhäuser und Villen die Beliebtheit der Region bei denen, die Geld haben, wider. So suchen wir nun ohne Navi nach einem Hotel, das wir erst  am nächsten Tag beim Verlassen des Ortes entdecken werden, kommen dann aber doch noch zu einem Zimmer in einem Sportell, einer etwas einfacheren Art von Übernachtung.  

Heute waren wir 350 km unterwegs. Es  soll  die längste Strecke gewesen sein.

14. Tag - 6.6.2011

Trotz gewisser Befürchtungen und der Sushi Bar im Hotel erhalten wir doch ein norwegisches Frühstück. Günter kann am zur Verfügung stehenden PC auch noch einmal den Weg zum Flughafenhotel in Oslo checken. Oslo ist heute auch unser Ziel. Es regnet wieder einmal - wir machen Halt in Drobak, einem wirklich außerordentlich liebenswerten Ort. Einst ließen sich Künstler hier nieder, es gibt also auch heute noch eine reiche Auswahl an  Galerien im Ort.

Was uns aber ganz besonders gefiel und auffiel: Man konnte hier die ersten 2 Stunden kostenlos auf einem öffentlichen Parkplatz parken. Und das nur 30 km entfernt von Oslo!

Von der Kaimauer aus lassen sich die Schiffe beobachten, die hier die engste Stelle des Oslofjords passieren (nur 1000 m). Von der nahen Festung Oscarsborgaus, die sich auf einer kleinen Insel abzeichnet, beschossen Norweger im April 1940 mit Uralt-Kanonen die deutsche Invasionsflotte und versenkten tatsächlich das Kriegsschiff „Blücher“ und verschafften so wenigstens König und Regierung die nötige Zeit, sich ins Exil in Sicherheit zu bringen.

Auch an kalten Wintertagen soll der Ort einen „unwiderstehlichen Charme ausstrahlen“, es gibt deshalb hier das Weihnachtshaus, in dem man ganzjährig herumstöbern kann. Zudem soll hier auch noch Julenissen, der norwegische Weihnachtsmann wohnen (Postanschrift), also gehen wir zumindest mal in das Weihnachtshaus, das natürlich doch ein bisschen anders ausschaut als die unsrigen, ganzjährig zum diesem Thema geöffneten Geschäfte.

Wer von der Ostsseite des Oslofjords auf die Westseite möchte, muß sich seit dem Jahr 2000 nicht mehr durch den Osloer Stadtverkehr zu quälen, sonder kann unter dem Oslofjord hindurch tauchen. Der 7.200 m lange Tunnel, der Drobak auf der einen mit Hurum auf der anderen Seite verbindet, zählt zu den längsten Unterwassertunnels Nordeuropas. Sein tiefster Punkt liegt 130 m unterm Meeresspiegel. Einer in Norwegisch abgefassten Infotafel ist zu entnehmen, dass der Tunnel ab dem morgigen Tag für ein paar Tage geschlossen bleibt. Immerhin, da  haben wir ja Glück, denn ohne Navi ist es in Oslo schon ein bisschen schwieriger, da dort ordentliche „Wegweiser“ fehlen. Wir kommen aber dann doch in die Stadt - mit Stadtplan und viel Glück finden wir auch geradewegs zum Munch-Museum. Fahren durch einen Stadtteil, der im Osten der Stadt liegt und voll in der Hand von  Migranten zu sein scheint. Ein bunter Haufen, Asiaten, Araber, Afrikaner – aber zumindest die Kinder müssen in der Schule so schnell wie möglich die Landessprache lernen und beherrschen. Da ist man konsequent und damit auch hilfreich. Im Munch-Museum überraschen dann doch auch Holzschnitte und Bilder mit etwas freundlicheren Themen als dem „Schrei“. Man wird eingangs kontrolliert wie am Flughafen - aber alles sehr freundlich, sehr gelassen. Erstaunlicherweise darf man dort auch fotografieren. 

Das Hotel, das wir ansteuern, ist nicht billig (184 €), auch das Parken in einem Parkhaus (20 €) nicht, obwohl wir 25 % Rabatt bekommen. Aber man ist ja schon erleichtert, wenn man weiß, wo man das treue Auto, einen grauen Suzuki, der noch einmal einen gescheiten Regenguß hätte brauchen können, hinstellen kann. Es regnet dann auch gewaltig in der Stadt - aber da steht der Wagen schon in der Garage. Wir begeben uns gleich auf Tour, wir trinken unseren Cafe Latte in einem italienischen Restaurant in Aker Brygge, einem neuen Viertel, das auf dem einstigen Werftgelände an der Hafenbucht entstand - zahlreiche Straßenrestaurants, überdachte Shoppingzentren und dazu noch Enten zwischen drin - wir sind nun doch in einer Stadt gelandet. Die Preise sind gewaltig, die Leute sitzen in Cafes und trinken….Bier. Später entdeckt Günter eine Gaststätte - so auf alt gemacht - Sonderangebot: da kostet 1,5 l braunes Bier (Mugel) 19 Euro. Das muß man dann aber auch genießen können - vor allem als Ausländer. Auch hier im Zentrum die Kopie eines Bin Laden in weißen Gewändern, die entsprechende Frau dafür schwarz verhüllt. Uns betteln wohlgenährte, adrett angezogene Zigeunerschwestern an. Die Straßenbahnen sind laut, der Straßenbelag beschädigt, wir laufen die Karl Johans gate ein paar Mal hoch und runter, bewundern Theater und Universität.  Am Theater in einem kleinen Pavillon wird Klassisches gespielt - im Sommer wird es hier, wenn es mal nicht regnet, richtig schön sein. Ein überschaubares Zentrum mit Menschen, Geschäften. Ist man auf der Festung Akershus, kann man einen Blick auf die großen Schiffe werfen, die da vor Anker liegen. Ja, und dann  die neue Oper, ganz aus weißem Marmor - auch zentral gelegen. 

15. Tag - 7.6.2011

Heute zum Frühstück wieder mal ein aha-Erlebnis. Ein noch junges Paar kommt zum Frühstück, sie mit Henkelkorb und 2 Thermosflaschen. Er lässt sich Kaffee in der Kanne geben - zum Abfüllen, füllt Saft in die andere Flasche, beide bauen sich Brote auf die Teller - die Leute schauen, das Personal scheint auch nicht dran gewöhnt sein (wer weiß, was dann im Hotelzimmer noch fehlt….) und am Schluss wird noch Grünzeug gebunkert. Wenn das jeder so machen würde, wäre für die letzten nicht mehr viel da …. Die Vielgereisten kennen diesen Typus und seine Nationalität.

Es hat die ganze Nacht heftig geregnet, es regnet auch jetzt noch leicht. Wir bringen unsere Taschen ins Auto und machen uns auf den Weg zum Hafen, es steht die Fahrt zur Museumshalbinsel Bygdoy auf dem Programm. Auf der Insel gehen wir ins Fram-Museum, in dem sich alles um das Schiff dreht, mit dem man sowohl zum Nordpol als auch später zum Südpol segelte.

 Die Ausfahrt aus der Stadt ist so einfach nicht, es muß auch mal ein Verkehrsschild missachtet werden,  wir sind in der  rush hour. Oslo hat 26 Einfahrtstraßen mit Schranken, an denen man Maut zu zahlen hat. Wir haben ein Zimmer mit Dusche und WC 5 km vom Flughafen entfernt reserviert (67 €).  Das Haus ist ordentlich, das Frühstück am nächsten Morgen auch.

Wir sind alles in allem 3 308 km unterwegs gewesen und haben doch einen gewissen Eindruck vom Land bekommen, sind durch die unterschiedlichsten Vegetationszonen gefahren, haben mit Leuten vor Ort reden können, das Königspaar gesehen und empfanden den Abschluß der Reise mit  dem Aufenthalt in Oslo als gelungen.

Alles in allem stimmt, was der Merian Reiseführer schreibt: Ferien in Westnorwegen heißt Zeit raubende Strecken zurückzulegen. Und das Fjordland ist Norwegen von seiner schönsten Seite - wenn es nicht gerade wieder einmal regnet. Und das tut es laut Statistik an 200 von 365 Tagen..

 

 

Wir sind  3 308 km durch Mittelnorwegen / Fjord-Norwegen mit dem Mietwagen unterwegs gewesen. Geplant wurde meistens von einem Tag auf den nächsten. Nördlichster Punkt war Trondheim. Übernachtung in Hotels (manchmal bessere Jugendherbergen) - trotzdem das teuerste Reiseland das wir kennen gelernt haben. Das Wetter: Norwegisch - nicht immer wie auf den Fotos der  Reisekataloge.

Norwegen